Mittwoch, 13. September 2017

Geburtstagbericht

September...
morgen vor einem Jahr...
ich weiß gar nicht, wie man sowas anfängt und ob man sowas überhaupt macht. Ein Geburtsbericht schreiben. Aber so eine Geburt ist ja immer wieder was sehr aufregendes und ein einschneidendes Erlebnis. So war es damals beim großen MiniHeld, als morgens um acht die Fruchtblase geplatzt war und ab 11h eine Wehenflut einsetzte. Das erste Kind, die erste Geburt und ganz viel Aufregung. Im Krankenhaus, mit einer Hebamme, welche immer wieder nach mir und dem Baby schaute. Mir Tipps gab und wirklich eine Hilfe war (ich weiß, das Glück haben nicht viele. Umso dankbarer bin ich, dass meine Beleghebammen so toll waren). Und natürlich die Hilfe von meinem Mann. Einfach nur dass er dabei sein wollte, um mich zu unterstützen, war aufbauend.
Beim mini MiniHeld verlief es etwas anders. Nicht nur, dass ich Wehen wie aus dem Lehrbuch kennenlernte (mit Pause in denen man die Minuten zählt, damit man weiß, wann man ab ins Krankenhaus sollte) und was vor allem anders war, war dass es ohne Hebamme bzw. Krankenhaus verlief. Aber wenn ich schon dabei bin, dann nun von Anfang an. Ab hier sollten wirklich nur noch welche mitlesen, die Wörter wie "Presswehen" und "Walgesang" vertragen...
Am 13. Septemper 2016 war es heiß gewesen, viel zu heiß für eine bald werfende Frau! Also sind der MiniHeld und ich zu meinen Eltern. Die haben nicht nur einen Garten, sondern auch eine Klimaanlage! Der MiniHeld hat sich die Zeit mit meiner Mama draußen im Garten beim Sandburgen bauen vertrieben und ich lag drin auf der Couch und konnte alles nur mit der künstlich kühlen Luft aus der Klima aushalten. Den ganzen Tag über hatte ich schon Rückenschmerzen und ab Mittags fing es dann im Stundentackt an, bis in die Beine und sogar in die Füße zu ziehen. Ich dachte mir meinen Teil schon und hoffte auf Übungswehen, da meine Mama von der Geburt nichts mitbekommen sollte. Der Tag verging sowas von langsam. Glaube, keiner meiner Tage hatte bisher so viele Stunden gehabt. Abends Zuhause hörte es dann auf, bin mit dem HeldenPapa um ca. 21h eingeschlafen, aber um 23h auch schon vor Schmerzen aufgewacht. Und ab hier fing es nun wirklich an...
Den HeldenPapa habe ich erst noch schlafen lassen und mich ins Wohnzimmer zurückgezogen. Fernseher an, der Trödeltrupp, na super aber Ablenkung. Die ersten ein oder zwei Stunden waren ok. Jede halbe Stunde merkte ich es vom Rücken nach vorne ziehen, konnte aber liegen bleiben und versuchte mich zu entspannen. Der 14. September brach an.  Nach ein Uhr wurde es dann intensiver und ich musste schon aufstehen. Im zwanzig Minuten Takt ging es dann so. Später blieb der Abstand zwar gleich, aber der Schmerz wurde immer schlimmer. Um sechs Uhr machte ich dann den HeldenPapa wach. Ich wollte einfach nicht mehr alleine sein und so bald eine Wehe kam, ich mich auf eine Stuhllehne abstütze, hielt er mein Becken und ich konnte den Schmerz so wirklich gut veratmen. Hört sich komisch an "veratmen",  aber ich redete mir wirklich ein, seine warmen Hände verscheuchten den starken Schmerz aus meinem Becken und ich müsste ihn nur noch rauspusten. Außerdem war ich froh, jemanden da zu haben, der die Zeit im Auge behielt und mir sagte, wann wir uns fertig machen sollten fürs Krankenhaus.
Meine Schwester sollte unser Taxi spielen, hatte ihr natürlich schon mitten in der Nacht geschrieben und sie verrückt gemacht, "es geht los, wir brauchen dich heute irgendwann!". Ich meine um halb acht haben wir den MiniHelden wach gemacht, der bis dahin tief und fest geschlafen und von nichts mitbekommen hatte und sind um acht dann ins Krankenhaus. Zuhause starke Wehen, fast im fünf Minuten Abstand, im Krankenhaus - nichts. Kennt ihr das? Oder habt ihr es vielleicht sogar selbst erlebt? Die (total nette Hebamme und die Ärztin) erklärten mir, es wäre gar nicht so ungewöhnlich. Das Gehirn sagt dem Körper, dass es nun ins Krankenhaus geht, also die Geburt bevorsteht, worauf hin der Körper sich denkt, er müsste dann nochmal Kraft tanken, also nochmal eine Pause einlegt. So war es bei mir. Der Wehenschreiber zeigte eine winzig kleine Wehe an, ich selbst spürte von dieser noch nicht mal was und der Muttermund war keine drei Zentimeter offen.
Die Ärztin sagte, sie würden mir ein Zimmer fertig machen und ich sollte mich entspannen oder im Park nebenan nochmal spazieren gehen. Sie merkte wohl mein Zögern und erklärte mir dann, dass ich aber auch nochmal ruhig nach Hause könnte. Das war mir natürlich lieber. Das Krankenhaus war nicht weit entfernt, der Muttermund minimal geöffnet und ich fühlte mich gut. ICH wollte nach Hause, mit meinen Helden. Habe schon öfters gehört, "sie hätte dich nicht  mehr nach Hause schicken dürfen", oder "warum hat sie dich nicht in den Kreissaal gebracht!?". Hiermit für alle; Es war meine Entscheidung. Es ging mir gut, wenn nicht sogar blendend. Mein Körper machte keine Anzeichen dafür, dass es auch nur in ein paar Stunden schon richtig ernst werden könnte und ich wollte in meine vertraute Umgebung!
Mein Männe war während der Untersuchung schon nach unten in die Cafeteria zu meiner Schwester und dem Mini gegangen, um zu erklären was nun los war. Als ich fertig war, ging ich nach, blieb mit ihnen ein paar Minuten auf der Terrasse und dann fuhren wir wieder Heim. Kaum dort angekommen, fingen gleich wieder starke Wehen an. Erst eine, 20 Minuten die nächste und dann im 10 Minuten Takt. In einer Wehenpause machte ich noch mit dem MiniHeld ein Selfi, mit einem Wassereis in der Hand. Das schickten wir meiner Mama, mit dem Text "sind heute lange im Bett geblieben, jetzt erst mal eine Abkühlung". Wenn sie gewusst hätte, was im Hintergrund eigentlich los war. Dazu muss ich sagen, diese Zeit haben wir im Bett verbracht, Star Wars the Clone Wars geschaut und der MiniHeld war die ganze Zeit dabei und sowas von lieb gewesen. Wenn eine Wehe kam, ich mich drehen und auf alle viere abstützen musste, setzte er sich neben mir auf, schaute mir zu und lächelte mich an, wenn ich zu ihm sah. Oder streichelte meinen Arm und sagte so Sachen wie, "du machst das toll", "bald hast du es geschafft". Er mit seinen drei Jahren und ich mit meinen runden Walbauch und meinem Walgesang, der ab und an wirklich laut wurde. Nach 12h, es musste schon kurz vor 13h gewesen sein, stand ich vorm Bett, kreiste meine Hüften und holte Luft in einer Wehenpause, während der PapaHeld auf dem Balkon eine rauchte (jaja, die Nerven) und der Mini neben mir sein Wassereis lutschte, platze die Fruchtblase. "Du hast Pipi gemacht!", der Mini war ganz entsetzt, sowas macht man ja auch eigentlich nicht mitten ins Schlafzimmer. Ich erklärte ihm, was es war, er rannte zu seinem Papa, um zu berichten was passiert war und ich schrieb meiner Schwester. Diese war nach dem ersten Krankenhausbesuch wieder zu sich nach Hause gefahren, stand aber nun wenige Minuten später wieder unten bei uns vor der Tür.
Genau wie beim großen Bruder damals, setzte nach dem Päng der Blase nun eine Wehenflut ein. Ich hatte es gerade noch geschafft, mir einen neuen Rock und ein trockenes Höschen anzuziehen, da ging es richtig los. Der Weg die Treppen runter und dann zum Auto war eine Herausforderung der besonderen Art.
Unten nahm meine Schwester uns entgegen, witzelte noch über mein "veratmen" und sagte sowas wie, das höre sich nun aber ernster an. Dieses mal entschied ich mich, hinten zu sitzen. Auf der ersten Fahrt hatte ich vorne keine wirkliche Beinfreiheit gehabt, weswegen ich mich hinterm Fahrer nun wohler fühlte. Neben mir im Kindersitz saß der MiniHeld. Still aber ganz aufgeregt. Nach ein paar Meter fahrt, merkte ich, dass die Wehen nun andere waren und erinnerte mich an die erste Geburt. Presswehen! Ich war mir zwar sicher, aber in dieser Situation war klar denken nicht so mein Ding. Weswegen ich den beiden vorne noch nichts von meinen Befürchtungen sagte und einfach weiter pustete. Ab und an glaube ich, habe ich auch geschrien. Ja, das habe ich wohl wirklich. Und neben mir saß der MiniHeld. War ich zu laut, hielt er sich so lange die Ohren zu oder streichelte mir wieder über den Arm. Er war so einfühlsam. "Bald hast du es geschafft," sagte er ganz oft, oder auch, "bald ist unser Baby da". Währenddessen habe ich es gar nicht wirklich begriffen, aber heute weiß ich, wie stolz ich auf ihn sein kann. Auf der Hälfte der Strecke war mir dann klar, dass wir es nicht mehr schaffen konnten. Ich pustete während den Wehen weiter und hoffte auf leere Straßen. Würde ich meine Gefühle versuchen zu beschreiben, die ich währenddessen hatte, würde es nicht klappen. Ich kann mich nicht mehr wirklich dran erinnern. Zwar erinnere ich mich, wie wir an den Bäumen auf der Straße zur Brücke vorbeifuhren, oder wie wir an einer Ampel anhalten mussten und ich neben mir ins Auto schaute, um dann wieder eine Wehe aus mir rauszuschreien. Aber meine Gefühle? Glaube, mein Körper hat einfach irgendein Hebel umgelegt um mir das zu ersparen, von wegen sentimental hier, Vorfreude da oder gar irgendwelche Angst. Und genau das machte es zu einer eigentlich entspannten Geburt! Einfach nur auf sich und seinen Körper hören, war das einfachste überhaupt, so einfach eine Geburt halt sein kann.
Kurz bevor wir ankamen merkte ich, dass es nichts mehr bringt einfach eine Wehe wegpusten zu wollen. Also fing ich an zu pressen. Die Autotür neben mir ging auf, meine Schwester und der HeldenPapa standen da. Ich sagte, ich bräuchte eine Liege. Mein damals noch "nur" Freund, hihi, rannte ins Krankenhaus und kam mit einem Rollstuhl wieder. Einem Rollstuhl!! Ich bin kein Mensch der gerne beleidigt, aber ich habe Wörter gesagt, die mein Sohn neben mir hoffentlich alle wieder vergessen hat. Ja, er saß da immer noch neben mir. Ich wollte eine Liege! Also rannte er wieder rein. Ich weiß noch genau, dass in dem Moment das Köpfchen schon kam und meine Schwester ihm genau das hinterher rief. Sie blieb übrigens die ganze Zeit über neben mir und wurde so zu meiner Hebamme. Die Leute die vorm Krankenhaus im Raucherbereich standen, genau wie die Taxifahrer, die nicht so unweit von meiner Autotür entfernt waren, hatten schneller begriffen wie ernst die Lage war, als die Frau an der Rezeption. Denn als der HeldenPapa wieder rein rannte, um nochmal unsere Lage zu erklären und wissen wollte wo die Hebamme bleiben würde, verstand sie es erst und rief nochmal oben im Kreissaal an. Sie berichtigte von "es kommt eine Frau mit Wehen" zu "das Baby kommt!". All das bekam ich natürlich gar nicht mit, ab da ging es auch ganz schnell. Glaube ab "oh, das Köpfchen kommt", bis "es ist ein Junge!" verging nur eine kurze Pause. In dieser fragte mich der HeldenPapa noch "soll ich dran ziehen!?", ihr könnt euch vorstellen, wie ich ihn angeschrien habe. Heute muss er über sich selber lachen, ich hätte ihm damals gerne was anderes erzählt. Glaube er wollte in dem Moment schon wieder reinrennen, denn er war von der Autotür weg und meine Schwester stand dann dort, als die letzte Wehe kam. Der kleine MiniHeld plumpste in die Hände von mir und meiner Schwester. Ich weiß noch, wie behutsam sie ihn auf mir legte und sie danach genau so hechelte, wie ich kurze Zeit vorher. Alles verlief so reibungslos.
Meine Schwester legte die Mulltücher, die ich in die Krankenhaustasche gepackt hatte, über ihn und dann standen da auch schon drei oder vier Mädels. Wer Ärztin und wer Hebamme war, erkannte ich nicht. "Oh, unsere Arbeit ist ja schon gemacht", sagte eine. Ich war so voller Glück, ihr könnt es euch gar nicht vorstellen. Anders weiß ich es auch gar nicht zu schreiben, als, ich war voll von Glück, Liebe, Zufriedenheit und alles andere tolle an Gefühl. 



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